Impulse von Prof. Dr. Gunter Dueck
Auf der Suche nach der schnellen Effizienzrendite begehen viele Unternehmen derzeit einen fundamentalen Denkfehler: Sie optimieren das Bestehende, anstatt die Zukunft neu zu bauen. Im neuesten Executive Briefing auf www.murat-ham.de teilt der Tech-Philosoph und ehemalige IBM-CTO Prof. Dr. Gunter Dueck drei gewohnt scharfe und unbestechliche Impulse zur Transformation.
Frage 1: Wo sehen Sie aktuell den größten Hebel, um KI von der reinen Theorie in eine wertschöpfende Management-Effizienz zu führen?
„Vor der KI“ muss in eine „KI Foundation“ investiert werden, die eine neue Unternehmensarchitektur ermöglicht. Bei der Autoproduktion ist die Idee des SDV-„Software Defined Vehicle“ so mächtig, dass sie ein komplettes Neudenken der Autoarchitektur erzwingt. Entsprechend werden wir ein SDE-„Software Defined Enterprise“ sehen. Das erfordert eine Intuition für eine neue Unternehmensarchitektur, die aber derzeit auf der Suche nach „schnellen Hebeln“ nicht entwickelt wird. Auf diesem Weg ist die Autoindustrie in die Krise geraten – sie hat sich zu sehr mit Effizienzen und nicht mit Architektur befasst.
Frage 2: Welche neue Kernkompetenz müssen Entscheider jetzt entwickeln, um die technologische Dynamik erfolgreich zu steuern?
Mit ein paar „Kompetenzen“ ist es nicht getan. Das ergibt nur viele Wundpflaster-Workshops, die Zeit kosten. Wir brauchen Unternehmensarchitekten und eine allgemeine Akzeptanz, am besten eine Begeisterung für den Neubau. Beides sehe ich derzeit in den Führungsetagen der Wirtschaft nicht.
Frage 3: Welches risikofreie Werkzeug oder Framework empfehlen Sie für das nächste Quartal zur sofortigen Entlastung der Führungsebene?
„Sofortige Entlastung“ zu suchen verschärft das Problem der neuen Zukunftsfindung. Da KI praktisch barrierefrei geworden ist, sollten alle Mitarbeiter ein Gefühl für das Kommende entwickeln können, indem sie in ihrem Bereich in die Möglichkeiten der Zukunft hineinriechen. Das wird wichtig für die Akzeptanz des Kommenden. Es hilft natürlich, KI-Agenten die Routine-Management-Arbeit machen zu lassen, aber dann wird wieder mehr des Alten in noch härteren Beton gegossen als es vorher per Digitalisierung geschah. Es geht um eine andere Zukunft.